Das Eichsfeld

Ein historisches Territorium zwischen Harz und Werra, d.h. begrenzt vom Göttinger bzw. Northeimer Wald im Nordwesten, von der Rhume im Nordosten, dem Thüringer Becken im Südosten und der Werra im Südwesten.

Die besondere Prägung entstammt der jahrhundertelangen katholischen Insellage inmitten von protestantischen Gebieten. Das Mainzer Rad im Wappen vom Landkreis Eichsfeld weist auf die lange Zugehörigkeit zum Fürstbistum Mainz hin.

Bevölkerung ca. 153.000 Einwohner, davon ca. 40.000 im niedersächsischen Eichsfeld

Fläche ca. 1296 km² 

Schutzpatron Hl. Martin

Inoffizielle Hymne ist das Eichsfeldlied „Eichsfelder Sang“ von Hermann Iseke

 

Quellgebiete

Unstrut, Wipper Helme (Einzugsgebiet Elbe) 

Rhume, Nisse, Hahle, Leine, Frieda (Einzugsgebiet Werra bzw. Weser)

 

Erhebungen

Rote Warte 290 m ü. NHN (südöstliches Untereichsfeld)

Birkenberg 533 m ü. NHN (Ohmgebirge, nordöstliches Obereichsfeld)

Goburg 543,4 m ü. NHN (Höhenzug Gobert am Werratal, südwestliches Obereichsfeld)

 

Orte und Städte

165 Eichsfeld-Orte werden von 22 Gemeinden bzw. Städten verwaltet.

LK Eichsfeld mit den drei  Städten Heilbad Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis und Dingelstädt. Im LK Göttingen die Stadt Duderstadt und der Flecken Gieboldehausen.

Heiligenstadt und Duderstadt werden, entsprechend der ehemaligen Fürstentümer, als Hauptstädte angesehen. 

Eichsfelder Sang

Bist du gewandert durch die Welt, auf jedem Weg und Pfade,

Schlugst auf in Nord und Süd dein Zelt, an Alp und Meergestade:

Hast du mein Eichsfeld nicht geseh'n mit seinen burggekrönten Höh'n

Und kreuzfidelen Sassen, dein Rühmen magst du lassen!

 

Dort, wo die junge Leine fließt, die Unstrut wallt zu Thale,

Der Hülfensberg die Werra grüßt, der Ohmberg seine Hahle,

Die Wipper flutet durch die Au: landauf, landab welch feine Schau

Auf Thal und Hügelketten und schmucke Siedelstätten!

 

Beut auch die Scholle ihren Sold oft karg der Müh', dem Schweiße:

Nur frischer durch die Adern rollt das Blut bei frohem Fleiße!

Und ist die Welt nicht breit und lang? Hinaus mit Reff und Arbeitsdrang!

Es zollt auch fremde Erde das Gut dem heim'schen Herde!

 

Dem Herd, an dem in frommer Zucht die treue Gattin waltet

Und Kindern, gleich des Ölbaums Frucht, die Händchen betend faltet;

Dem Haus, wo noch der Herrgott gilt, und nicht nur, was den Magen stillt,

Wo felsenfester Glaube die Blicke hebt vom Staube.

 

Eichsfelder mit Frohwanderblut und liederreicher Kehle,

Heim, heim steht all dein Herz und Mut, dein Sinn und deine Seele,

Heim, wo das Kreuz vom Hügel ragt und dir von Gottes Liebe sagt!

Schlägt deine letzte Stunde, es sei auf Eichsfelds Grunde!

 

Bundesländer und Landkreise

nordwestliches Thüringen (83 %); LK Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis, LK Nordhausen

südöstliches Niedersachsen (16 %); LK Göttingen, LK Northeim

nordöstliches Hessen (1 %); Werra-Meißner-Kreis

 

Straßen-, Schienen-, Flugverkehr

Bundesautobahn 38 (Göttingen–Leipzig); Bundesstraße 27 (Göttingen–Braunlage); Bundesstraße 446 (Nörten-Hardenberg–Duderstadt) im Untereichsfeld; Bundesstraße 247 (Northeim–Duderstadt–Leinefelde-Worbis–Dingelstädt–Mühlhausen)

Bahnstrecke Halle–Hann. Münden und Göttingen–Erfurt

Flugplatz Eichsfeld für Segel-, Motor- und Geschäftsfliegerei (Start- und Landebahnen 700 m × 15 m Asphalt, 700 m × 30 m Gras)

 

Sprache

Untereichsfeld: Niederdeutsch, Ostfälischer Dialekt, Niedereichsfeldisches Plattdeutsch

Obereichsfeld: Mitteldeutsch, Obereichsfeldisches Plattdeutsch

Besonderheiten: das Wort Eichsfeld wird [ˈaɪksfɛlt] („Eixfeld“ oder „Eiksfeld“) ausgesprochen. Statt „im Eichsfeld“ heißt es auch „auf dem Eichsfeld“. Ebenso ist statt „aus dem Eichsfeld“ die Bezeichnung „vom Eichsfeld“ gebräuchlich.

 

Kulturelle Veranstaltungen

seit 1913 Eichsfelder Heimattage, heute Eichsfeldtage

seit 2003 Eichsfelder Orgelherbst

 

Eichsfelder Spezialitäten

Schlachteplatte mit Wurstprodukten wie Feldgieker, Kälberblase und Stracke 

Eichsfelder Schmandkuchen

 

Sehenswürdigkeiten

Burgen, Schlösser, Baudenkmale

Duderstadt: Rathaus, Westerturm, Mittelalterliche Stadtmauer; 

Heiligenstadt: Klausmühle, Altes Rathaus, Jesuitenkolleg, Kurmainzer Schloss, Mainzer Haus; Lengenfeld unterm Stein: Kanonenbahnviadukt

Kirchen, Klöster, Wallfahrtsorte, Eichsfelder Krippenweg (die schönsten Kirchenkrippen)

Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, Sonnenstein, 750 Jahre alte Eibe in Tastungen (älteste Eibe in Thüringen)

Seeburger See, Thiershäuser Teiche, Rhumequelle, Unstrutquelle (Kefferhausen)

Heinz-Sielmann-Stiftung (Gut Herbigshagen), Bärenpark Worbis

Museen: Heimatmuseum Obernfeld, Grenzlandmuseum Eichsfeld (Teistungen), Eichsfelder Heimatmuseum (Heiligenstadt), Literaturmuseum "Theodor Storm" (Heiligenstadt), Bergbaumuseum Bischofferode

 

Grenzen im Eichsfeld

- historische Grenze: rauere, höher gelegene Obereichsfeld und im Norden das tiefer gelegene Untereichsfeld

- vereinfachte Grenze: entlang der Flusstäler von Leine und Wipper 

- geographisch-geologische Grenze: nördlicher Abhang von Dün und Oberem Eichsfeld

- niederdeutsch-mitteldeutsche Sprachgrenze: verläuft am Nordrand des Ohmgebirges

- politisch-administrative Landesgrenze zwischen Thüringen und Niedersachsen (ehemalige Innerdeutsche Grenze)

 

Geschichte

Die fruchtbare Beckenlandschaft im nördlichen Eichsfeld (Goldene Mark) wird schon früh besiedelt und ackerbaulich genutzt. 

Zur Namensherkunft „Eichsfeld“ gibt es verschiedene Annahmen: von früher häufig vorkommenden Eichenbeständen oder vom Feld eines Aiko/Eico oder von einem alten Namen des Unstrut-Oberlaufs.

Urkundliche Ersterwähnung am 28. Januar 897: Der fränkische König Arnolf bestätigt Tausch bei dem Lehnsgüter „in pago Eichesfelden“ (thüringischer Eichsfeldgau lag zwischen Heiligenstadt und Mühlhausen) zwischen dem Abt Huki von Fulda und dem Grafen Konrad.

Im Jahr 1022 erste Mainzer Besitzungen um Heiligenstadt und den Rusteberg, ab 1124 Klostergründungen. 

Kurmainz erwirbt 1294 auch das ursprüngliche Eichsfeld von den Herren von Gleichen. 

Das Untereichsfeld ist zunächst liudolfingisches Hausgut und ottonisches Reichsgut, im 10. Jahrhundert im Besitz von Stift Quedlinburg, 1247 gehört es zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, dessen Linie Grubenhagen es 1342/58 bzw. 1434 an das Kurfürstentum Mainz verpfändet.

1524 Ausbruch des Bauernkrieges in der freien Reichsstadt Mühlhausen. Das Eichsfeld wird geplündert, Klöster und adelige Höfe verbrannt. Viele Bewohner wenden sich dem Protestantismus zu. 

Bis 1573 bildet das Kurfürstentum Mainz aufgrund weiterer Besitzungen Verwaltungsstrukturen im Eichsfeld. 1574 leitet der der Mainzer Kurfürst Daniel Brendel von Homburg die Gegenreformation auf dem Eichsfeld ein, indem er zwei Jesuitenpatres die Aufgabe erteilt, in Heiligenstadt eine Schule (Jesuitenkolleg, heute Lingemann Gymnasium) zu gründen. In 50 Jahren wird das Eichsfeld bis auf wenige Dörfer wieder katholisch. Erst später wird der Name des ursprünglich thüringischen Gebietes für den gesamten Mainzer Besitz östlich der Werra übernommen. 

1622 Im Dreißigjährigen Krieg plündern und brandschatzen die Schweden, die Kaiserlichen, die Dänen, die Hessen und die Sachsen im Eichsfeld.

Im Jahr 1650 übernimmt der Kurfürst von Mainz wieder den Besitz seines Landes, das zu mehr als einem Drittel verwüstet und dessen Bevölkerung auf ein Viertel zurückgegangen ist.

König Friedrich Wilhelm III. nimmt 1802 das gesamte Eichsfeld für Preußen in Besitz, es entsteht das Mediatfürstentum Eichsfeld. Für die 6 Jahre (1807-1813) der Existenz gehört es zum Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel, nach dessen Auflösung wieder zu Preußen.

1815 Der Wiener Kongress legt Europas Grenzen neu fest: Obereichsfeld und südliches Untereichsfeld gehören fortan zur preußischen Provinz Sachsen (Kreise Heiligenstadt und Worbis); Nördliches Untereichsfeld zum Königreich Hannover

1866 Preußen annektiert das Königreich Hannover, es wird Provinz Hannover

Das Königreich Preußen herrscht über das gesamte Eichsfeld, geteilt durch die Grenze zwischen der Provinz Hannover und der Provinz Sachsen. (1885 wird der Kreis Duderstadt gebildet.)

1933-1945 Die nationalsozialistischen Ideologien finden im Eichsfeld keine mehrheitliche Unterstützung. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird das Eichsfeld von Einheiten der US-Armee besetzt. 

Der LK Duderstadt gehört zur Britischen Besatzungszone, ab 1946 zum Bundesland Niedersachsen. Die LK Heiligenstadt und Worbis gehören zur Sowjetischen Besatzungszone, ab 1949 sind sie Teil der DDR. 

1952 Aus der (Besatzungs-)Zonengrenze wird die Staatsgrenze zur DDR, der Eiserne Vorhang durchzieht das Eichsfeld. 

Das Obereichsfeld lässt sich die atheistische, marxistisch-leninistische Weltanschauung nur schwer aufzwingen. Die SED versucht mit dem Eichsfeldplan die Bevölkerung für den Sozialismus zu gewinnen; Ausbau der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Infrastruktur sowie der Bau riesiger Industrieanlagen. 

1953 Das Untereichsfeld bzw. der LK Duderstadt wird von der Bundesregierung als Notstands- und Sanierungsgebiet ausgewiesen. Zonenrandförderung von 1971-1994.

Ab 21.06.1973 Grenzübergang Duderstadt („Kleiner Grenzverkehr“)

Zwischen November 1989 und Juni 1990 Öffnung der Grenzübergänge im Eichsfeld. Sowohl das niedersächsische als auch das thüringische Eichsfeld zeigt Entwicklungsrückstände, trotz Finanzhilfen und Subventionen.

2009 Fertigstellung der Bundesautobahn 38 (Göttingen – Leipzig), sie ist die zentrale Entwicklungsachse des Eichsfeldes. Außerdem stellt sie südlich des Harzes die Ost-West-Verbindung zwischen den Haupt-Nord-Süd-Verkehrsachsen A 7 und A 9 dar, die Anbindung an das deutsche bzw. europäische Straßennetz und die entsprechenden Wirtschaftsräume ist vollzogen.

 

JSN Boot template designed by JoomlaShine.com